Meine erste Kurzgeschichte

Erste Sonnenstrahlen fallen wärmend auf mein Gesicht. Seit Tagen hatte es geregnet, graue Tage und schwarze Nächte und meine Stimmung hatte sich immer mehr dem Wetter angepasst. Ich sitze in diesem kleinen Straßencafé am Broadway, dem Earth Café, starre aus dem Fenster und rühre gedankenverloren in meinem Latte Macchiato, während die Menschen um mich herum hastig ihrer Wege gehen. Immer wieder tauchen die Bilder der letzten Tage vor meinem inneren Auge auf und lassen mein Herz aufs Neue schmerzen. Angestrengt sauge ich scharf die Luft ein und spüre eine innere Kälte in mir aufsteigen, die mich am ganzen Körper erzittern lässt. Ich schlinge die Arme um meinen Oberkörper, versuche mich so zu wärmen. Die aufsteigenden Tränen brennen in meinen Augen und ich überlege: Habe ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen? Immer wieder gehe ich unser Gespräch durch, hole mir seine Worte ins Gedächtnis und versuche zu verstehen. Ich atme spürbar laut aus und vergrabe mein Gesicht in meinen Händen. Mir fehlen seine zärtlichen Berührungen, seine Küsse, seine tiefe, raue Stimme, seine Nähe. Was habe ich nur getan? Die Tränen bahnen sich ihren Weg und ich vergehe in einem lauten Schluchzen. Nur schwer kann ich mich beruhigen. Versuche die qualvollen Bilder zu verdrängen. „Kann ich ihnen irgendwie helfen?“, ich blicke auf und schaue in das besorgt wirkende Gesicht der Kellnerin. „Nein“, antworte ich mit gebrochener Stimme. Wie auch. Ich muss hier raus. Die Enge fühlt sich plötzlich erdrückend an. Ich lege das Geld für meinen Latte Macchiato auf den Tisch und verlasse überstürzt das Café. Als ich auf die Straße trete, lehne ich mich an die Hauswand und atme tief die frische Luft ein. Schon besser, denke ich.

Auf dem Weg zurück ins Büro rufe ich Mary an. Seit der Trennung von Marc hatte ich noch nicht die Kraft mich bei ihr zu melden. „Hi“, sage ich leise mit gebrochener Stimme. „Lily? Was ist los? Seit Tagen versuche ich dich zu erreichen.“, schreit sie förmlich ins Telefon. In ihrer Stimme liegt etwas Ängstliches, aber zugleich auch Wütendes. „Es tut mir leid, bitte sei nicht sauer. Ich konnte nicht.“, schluchze ich kleinlaut. „Hast du heute Abend Zeit für mich?“, frage ich sie vorsichtig. „Natürlich! Erzählst du mir dann endlich was passiert ist?“ Sie klingt eine Spur versöhnlicher. „Ja, versprochen. Treffen wir uns auf unserer Bank im Central Park um sieben?“ „Klar. Bis dann, Süße.“

Es tat gut ihre Stimme zu hören. Wieso habe ich sie nicht schon früher angerufen? Beim Gedanken ihr endlich alles erzählen zu können, legte sich ein leichter Hoffnungsschimmer auf meine schmerzende Seele.

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