Digitalisierung des Unterrichts – Fluch oder Segen?

Der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht ist kein neues Thema und beschäftigt die Gesellschaft schon seit einiger Zeit. Viele Schulen arbeiten an einem tragfähigen Medienkonzept oder haben es bereits umgesetzt. In der Historie betrachtet, haben sich die Medien immer weiter entwickelt. Am Anfang stand der Lehrende im Vordergrund. Er war das Primärmedium. Alles was der Schüler wissen musste, erfuhr er aus dem Munde des Lehrers. Im Laufe der Zeit entwickelten sich erste Formen von Schreibmedien. Die Erfindung des Papyrus sei hier zu nennen. Erste Gedanken wurden aufgeschrieben und so an die Nachfahren weitergegeben. Es entstanden erste Blättersammlungen, die den heutigen Büchern entsprachen. Der Lehrende verlor immer mehr sein Alleinstellungsmerkmal und rückte in den Hintergrund. Hinzu kamen einzelne Gestaltungsmedien, wie Statuen oder Tempel, welche den Unterricht ergänzten. Bis ins Mittelalter hinein hielten sich diese drei Medien. Durch die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert erlangten die Schreibmedien eine neue Dimension. Die niedergeschriebenen Gedanken, Erlebnisse und Erfahrungen wurden in Buchform verfasst und so für eine Vielzahl an Menschen nutzbar gemacht. Die Vervielfältigung der Bücher ermöglichte es, sie im Unterricht fortan als Lehrbücher einzusetzen. Ab dem 19. Jahrhundert legten viele technische Innovationen den Grundstein für die audiovisuellen Medien. Nach dem 2. Weltkrieg erfuhren sie eine rasante Entwicklung und sind aus dem heutigen Unterricht nicht mehr wegzudenken. Heißt das für den Lehrer, dass er bald überflüssig wird und nur noch als Bediener von Maschinen im Unterricht anwesend ist?

Die neuesten Errungenschaften der audiovisuellen Medien sind die interaktiven Whiteboards, Tablets und Smartphones. Ich stehe dem Ganzen offen gegenüber, aber bitte nur in Maßen. Wir sollten die Schüler nicht überfordern und auch uns Lehrende nicht. Was nützen die interaktiven Whiteboards, Tablets und Smartphones, wenn Lehrer sie nicht bedienen können und sich vor den Schülern blamieren. Und ist es sinnvoll sie für viele Stunden vor einen Monitor zu setzen? Die Gesellschaft beklagt sich darüber, dass die Kinder in der heutigen Zeit hyperaktiv sind, an Konzentrationsschwächen leiden, übergewichtig sind und oft aggressiv im sozialen Miteinander agieren. Dies alles ist zurückführbar auf den intensiven Medienkonsum, das belegen sogar einzelne wissenschaftliche Studien. Und nun wollen wir den Unterricht noch weiter digitalisieren? Hier ist meiner Meinung nach Vorsicht geboten. Viel wichtiger wäre es den Kindern einen sinnvollen Umgang mit den Medien beizubringen. Ihnen ein Gefühl zu vermitteln, welches Maß ihnen gut tut.

Für die Schule sehe ich eher die Aufgabe darin, den Schüler wieder mehr für andere Medien zu begeistern. Schüler sollten wieder viel mehr lesen, Geschichten schreiben, in die Natur gehen, Museen besuchen, zeichnen, modellieren, handwerkeln. Es gibt so viel mehr als bei Twitter, Facebook oder Instagram aktiv zu sein, online Spiele zu spielen oder sich per WhatsApp über den Schultag auszutauschen.

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